Warintharpas Wächter in Bad Iburg


Montag war ein schöner Tag. Das Wetter war recht gut, einiges an Sonnenschein und kaum Regen.
Chrissy, Guido und Jan wollten jetzt endlich auch mal auf dem Drachenboot fahren, dass in dem kleinen See dümpelte. Allerdings gingen sie einem anderen Lager auf den Leim. “Ach, ihr wollt Drachenboot fahren? Sagt denen, Jule schickt Euch, dann könnt ihr günstiger fahren.”
Die Reaktion der Wache am Boot war anders als erwartet. “Oh, Jule schickt Euch? Ja super, dann können wir ja jetzt gehen. Viel Spaß beim Wachdienst.”
“Say whaaaaaaaaaat?”
Und plötzlich hatten unsere Leute einen Wachdienst, keine Ahnung, wie das Boot zu bewegen war und es fing an zu regnen. Soviel zur Bootsfahrt…

Wir fingen wie üblich schon früh an, in den Zelten aufzuräumen.
Beim Abbau selbst hatten wir unerwartete Hilfe. Markus, Fabian und Michael von Warintharpas Wächtern, unseren Wunschnachbarn auf dem diesjährigen Anno, waren zu Besuch und erklärten sich spontan bereit auszuhelfen, da Uwe mit seinem kaputten Fuss nicht mit anpacken konnte.
Auch dass wir diesen Markt zum ersten Mal sechs Leute waren, machte sich bemerkbar.
Uwe hüpfte auf seinen Krücken durchs Lager, koordinierte den Abbau und wies Aufgaben zu. Die Wächter packten ordentlich mit an und auch der Rest von uns legte sich rein, wollten wir doch abgebaut haben, bevor es dunkel wurde oder nochmal anfing zu regnen.
Nach einer Rekordzeit von 2,5 Stunden waren wir fertig.
Als wir eine halbe Stunde später im lokalen McDonalds für ein Abschiedsessen und eine Nachbesprechung saßen, war es draußen stockduster und es begann zu hageln.
Was waren wir glücklich, im Warmen zu sein.

Unser Fazit: Ein toller Markt, wunderschönes Setting, ganz tolle Nachbarn, super Sanitäter, und wenn er später im Jahr stattfinden würde, wären wir sofort wieder dabei.
So… sind wir unentschlossen.
Zumal man uns sagte, dass dieses Jahr das beste Wetter in der Geschichte des Marktes gewesen sei.
… Ein Jahr hatten sie Schnee. …
Es bleibt also abzuwarten, ob wir nochmal hinfahren, das wird sich vmtl. erst auf unserer Jahresendversammlung entscheiden.

Auf jeden Fall nochmal vielen Dank an die Orga für diesen wunderschönen Markt und an Markus, Fabian und Michael für ihre tatkräftige Hilfe!

Vom Holzhacken zur Notaufnahme in Bad Iburg


Guido und ich waren früh genug wach, um den Rest des Lagers zu wecken und Frühstück zur passenden Zeit auf den Tisch zu bringen.
Ich hab mich lieber nochmal zehn Minuten unter die Felle gekuschelt.
Und bin eingeschlafen.
Das nächste, was ich mitbekam war Uwe, der stocksauer war, weil noch kein Essen auf dem Tisch stand, als er mit Emma ankam.
Soviel zu Urlaub…

Nachdem wir den Tag gekickstarted hatten, kam der Veranstalter mit hartgekochten Eiern vorbei, die wir für eine spätere Kinder-Eier-Suche verstecken sollten.
Emma war das Konzept nicht ganz klar und sie schleppte uns die Eier schneller wieder hinterher als wir sie verstecken konnten. Und das auch, wenn sie nicht gesehen hatte, wo wir sie versteckt hatten.
Eins ging dabei zu Bruch, aber zum Glück hatten wir Ersatz.
Es war sehr lustig.
Die Kinder, die später zum Suchen vorbei kamen, brauchten bedeutend mehr Zeit als Emma und drei Anläufe, um alle Eier ausfindig zu machen.
Es ist so ungemein befriedigend, ein so pfiffiges Kind zu haben.

Sonntag war insgesamt ein sehr schöner Tag, die Sonne zeigte sich für lange Zwischenspiele, es war nicht so übel kalt (oder wir hatten uns dran gewöhnt) und Chrissy durfte nach sechs Wochen veganem Fasten (Hut ab!) wieder Milch, Eier und Speck zum Frühstück (wir haben vergessen, den Speck zu braten) und Eintopf mit Wurst zum Abendessen. Es regnete allerdings auch immer wieder in kräftigen Schauern, die das Buddeln von Drainagen zu einer geistigen Möglichkeit machten. Vermutlich hätten wir unsere Kaution für den Platz nicht wiederbekommen, wenn wir den schönen Landesgartenshow-Rasen derart ruiniert hätten.

Der GAU kam vorm Abendessen: Beim Holzhacken zeigte sich eins der Holzstücke unkooperativ und wich Uwes Axthieb hinterrücks aus, was die Axt am Holz abgleiten und den Weg in seinen Fuss nehmen ließ.
Zum Glück war die Axt scharf und der Schnitt nicht allzu tief.
Chrissy legte einen schnellen MacGyver-Verband an, während Alex den Sani holte.
Die Sanitäter waren nur drei Zelte weiter und der RTW schnell angerückt.
Chrissy begleitete Emma und mich zum Krankenhaus und war so lieb auf Emma aufzupassen, während ich Uwe Händchen hielt. Er hatte ganz geschickt alles wichtige verpasst und nur eine Fleischwunde davon getragen, die etwa drei Zentimeter lang und einen halben tief war und sich mit drei Stichen nähen ließ.
Er würde noch einige Wochen Zuhause bleiben und den Fuß hochhalten müssen, und sie entließen ihn mit einem Paar Krücken zurück in die Freiheit.

Nach einer Schale aufgewärmten Abendessen fuhr ich dann mit Emma zurück nach Hause. Uwe konnte nicht Auto fahren und wollte auch nicht mit, er argumentierte, dass es einfacher für ihn im Lager wäre, wo er keine Treppen hoch und runter musste.

Bratäpfel und spirituelle Gespräche in Bad Iburg

Samstag hatten wir coolen Besuch: Hendrik, Christine und Winfried von der Wittener „Drachenreiterei“!
Und abends durfte ich im Lager übernachten.
Samstag saßen wir also abends am Tisch und experimentierten mit einer leckeren Möglichkeit: Kann man Bratäpfel in einem Stahltopf im Feuer machen?
Antwort: Ja, und es ist lecker!!!
Wir hatten ein sehr spannendes Gespräch mit Axel, der genau passend kam um auch einen Apfel abzubekommen.
Es sind diese ruhigen Momente, die Mittelaltermärkte meiner Meinung nach so genial machen. Wenn man zwischen all den Zelten steht und die meisten Feuer und Kerzen aus sind, und über einem die Sterne funkeln, dann fühlt man sich wirklich in einer fremden Welt. Dann scheint alles möglich.

Feiertage und kleinere Katastrophen in Bad Iburg

Feiertage haben so viele Vor- wie Nachteile.
Der Größte Vorteil ist wohl, dass wir an ihnen frei haben, einer der Nachteile ist, dass die meisten anderen Menschen diesen Vorteil auch genießen. Ich muss feststellen wie nervig das ist, als erst die zweite Tanke, die ich anfahre, bereits Brötchen in der Auslage hat. Dabei ist es nach neun Uhr. Aber was will man machen, wenn alle Bäckereien geschlossen haben? Vielleicht nächstes Mal frühzeitig etwas zum Aufbacken im eigenen Ofen besorgen…
Meine und Emmas Geduld hat seine Belohnung: zwar ist unser Frühstück teuer, doch es ist auch noch warm. Vor allem das Schinken-Käse-Croissant schmeckt himmlisch in diesem Zustand.
Mir fällt auf, wie egoistisch ich bin, als ich einen Schluck aus meinem Cappuccino nehme.
Ich fahre eine dritte Tanke an und kaufe einen überteuerten Kaffee für Jan, den ich auf dem Weg zurück nach Bad Iburg einsammeln soll.
Insgesamt war der Morgen recht stressfrei. Wie zu erwarten für den ersten Markt der Saison habe ich das Haus mit einer ganzen Liste nach noch fehlenden Dingen durchkämmt, und die letzten Sachen eingeladen. Grillsaucen standen leider nicht auf der Liste.
Emma war guten Mutes, als ich sie aus dem Bett nahm und ließ sich mit der engelhaften Geduld hin- und herschieben, die nur Kinder, die ihre Eltern wirklich lieben, in solchen Situationen für sie aufzubringen wissen. Die Geduld drohte erst zu enden, als das versprochene Frühstücksbrötchen nicht nach der ersten angefahrenen Tanke auftauchte. Nach Bereinigung diesen kleinen Fopas stand dem Tag nix mehr im Weg.
Die zu erwartende Panik kam auf, als Jan, Emma und ich später aufliefen als geplant, noch kein Frühstück auf dem Tisch stand und der Rest des Lagers bis 13 Uhr aufgebaut sein sollte …nach offizieller Aufbauzeit zumindest.
Wir stellten jedoch fest, dass das inoffizielle Ende des Aufbaus eher im Bereich 17:59 Uhr lag.
Von 18 bis 21 Uhr war der Markt das erste Mal eröffnet, als Schnuppermarkt.
Kein Grund zur Panik also.

Nachdem es in der Nacht von Donnertsag auf Freitag gefrohren hatte, waren Uwe und ich einvernehmlich der Meinung, dass es zu kalt für Emma ist, um nachts im Zelt zu schlafen. Ich erklärte mich bereit, die ersten zwei Nächte nach Hause zu fahren, Uwe sollte die nächsten zwei übernehmen.
Guido ging es an dem Tag nicht so gut und bis zum Abend hatte er Fieber entwickelt. Ich nahm ihn also abends mit nach Hause, und nach einer Nacht auf unserem Sofa ging es ihm viel besser.
Magisches Sofa halt.

Kuscheln in Bad Iburg

“Ihr müsst etwas kuscheln.”, meint Stephan, der Organisator, als er uns unseren Platz zuweist, “Wir haben zwei Wiesen weniger bekommen als angedacht war.”
Wir bekommen ein Stück grüner, hübsch gestutzter Wiese mit drei riesigen, kreisrunden Blumenbeeten drauf, die zusammen etwa ein Drittel der Lagerfläche ausmachen.
“Und bloß nicht über die Wiese fahren oder in die Beete abspannen! Sonst kriegen wir Ärger!”
Na super.
Es ist der Donnerstag Abend vor Karfreitag. Aufbautag.
Uwe und ich sind die ersten vor Ort, Emma haben wir bei einem Babysitter gelassen. Guido kommt etwas später und Alex in zwei Stunden. Der Rest kann morgen erst.
Wir parken also unser Auto mit Anhänger auf dem kleinen Weg 50 meter weiter und beginnen mit dem langen Ausräumen, alle Teile müssen zu Fuß ins Lager getragen werden.
Wir haben schon einige Kisten ausgeladenu nd die Lagerplane aufgebaut, als Guido auftaucht.
Insgesamt sieht der Abend gut aus, das Wetter spielt mit.
Wir entscheiden uns für den groben Aufbau und fangen an.
Irgendwie sind die Beete doch ganz nett, sie lockern den kleinen Raum auf. Andererseits sind sie auch im Weg und trennen die Zelte vom Gemeinschaftsraum unter dem Sonnensegel. Wir puzzlen alle unsere Zelte irgendwie drum rum, integriert das für Chrissy und ihn, und es sieht gar nicht schlecht aus.
Wir müssen rundrum abspannen, da wir mitten zwischen zwei Wegen stehen, beides mitunter ausgewiesene Rettungswege, fünf Meter Abstand zu den gegenüberliegenden Lagern, der uns noch zugute kommen wird.
Wir sind soweit fertig und ich schaue auf die Uhr.
“Los Jungs, lasst mal die Feuerschale anschmeißen, ich hab nur noch en halbe Stunde, bevor ich zurückfahren muss um den Babysitter abzulösen. Ich hätte auch gern noch Abendessen.”
Die Würste sind lecker, vor allem die vom Wildschwein, die Guido mitgebracht hat. Uns fällt allerdings auf: “Mist, wir haben keine Soßen dabei.”
Aber satt ist satt, und die Kulisse ist der Hammer: direkt unterhalb des Schloßes in der zukünftigen Landesgartenschau in Bad Iburg, die Rückseite des riesigen, weißen Gebäudes bei Nacht beleuchtet.
Der Mittelaltermarkt kuschelt sich in eine Senke zwischen der Straße auf der einen Seite und dem Schloßhügel auf der anderen. Saftige Wiesen, ein großer Kinderspielplatz, ein kreisrunder Steinplatz, umringt von der Bühne und den Fressbuden, ein kleiner See, auf dem am nächsten Tag ein Drachenboot zu Wasser gelassen wird, alles verbunden durch hübsch angelegte Kieswege, die sich als optischer Kontrast präsentieren und den Markt einrahmen.
Wirklich hübsch.
“Ich muss los.”, sage ich, “Ich hab ja noch ne Stunde Fahrt zurück.”
Uwe und Guido schlafen hier.
Die Glücklichen.

Greven mit Guido

Unser zweiter Markt in Greven war super. Eins der Lager ist nicht erschienen und so hatten die Jungs die Möglichkeit, sich einen Kampfplatz abzustecken. Da wir direkt vor einem großen Einfluss in die Ems lagerten, war auch die Anzahl der Lagerpassanten stark reduziert, wir mussten aber trotzdem noch zur Seite hin absperren und es gab trotzdem Leute, die meinten über die Seile durch unser Lager klettern zu müssen… aber welches Heerlager kennt das nicht?

Die Vorstellung von Chapeau Claque Rouge war wie immer erstklassig, auch wenn sich Dunkelheit und Uhrzeit nicht so recht absprechen wollten ;-D.

Guido (Endreß) war hier das erste Mal bei uns dabei.

Anno in der Durchgangsschneise

Man kann es den Jungs auch manchmal nicht Recht machen! Während wir uns im letzten Jahr abgeschieden vorkamen, mit dem Lagerplatz so ganz am Ende des Marktes hinterm See, und ich als Hochschwangere zudem das Problem hatte, dass ich über zwei Plätze bis zum Klo laufen musste, war dieses Jahr das Gegenteil der Fall: Wir standen fast direkt gegenüber eines Toilettenwagens, aber die Leute liefen einfach nur vorbei…

Nur ganz wenige schienen die Muße zu haben, für eine Schwertkampfvorführung stehen zu bleiben, zumal wir eigentlich auch keinen Platz dafür hatten…

Das war sehr schade. Auch die vielen Verbesserungen, die Uwe (Ullrich) im Winter an unserem Lager vorgenommen hatte, wurden kaum zur Kenntnis genommen. Bis auf die riesige Feuerschale, die er selbst geschweißt hat, heißt das. Die war hoch im Kurs. Sie ist auch prominent auf einem Bild in der Zeitung zu sehen, wo wir abends mit Freunden dran sitzen. Ich bin auch mal in der Zeitung! (Nur, weil ich Emma auf dem Schoss habe, aber ich nehme, was ich kriegen kann 😉 ) Sonst werden meist nur die Jungs photographiert, weil die haben die grellen Farben und die riesigen Schwerter (FSK18-Witz bitte hier einfügen ;-P ).

Was auch gut gelaufen ist, war unsere neue Hufeisenbahn, das erste Mal dabei. Es war eigentlich nur eine kleine Idee, die ich in der Winterpause hatte und sie war noch nicht mal ganz fertig, aber was waren wir froh, dass ich die Eisen gekauft hatte! Die Spendengelder, die wir damit eingenommen haben, haben die Kosten für den Markt gut gedrückt.

 

Hier ist der Link zum Zeitungsartikel 

Emma und Adelheid in der Zeitung

Sommeridylle auf Anno 1280 2015

Anno 1280, unser längster, größter und schönster Markt, Urlaub direkt um die Ecke von Zuhause.

2015 war er sehr schön, wenn auch etwas warm. …Na ja, bis auf die eine Nacht, in der es Sturmwarnung gab und wir das Sonnensegel an den vier Spitzen von unten mit Stühlestapel und verschiedenem Zeug hochdrücken mussten, weil sich dicke Wassertaschen innerhalb weniger Minuten bildeten. Aber es hat alles gehalten, Ullrich sei dank, denn er hat gut gebaut!

 

Wir sind sogar ganz groß in die Zeitung gekommen: Link

Die Reisegesellschaft derer zu Rosenhain wird geboren

So hat das alles angefangen: drei einsame Gestalten, ein kleiner Anhänger, zwei Zelte und ein Sonnensegel am Ende der Seitengasse auf dem Mittelaltermarkt in Neuss 2015.

 

Es war ein schöner Markt, insgesamt, auch wenn unsere Nachbarn fast einem der Ihren den Schädel eingeschlagen haben…

Also immer merken, Kinders: Wenn Ihr Euch auf einem Mittelaltermarkt kloppen wollt, dann mit ordentlicher Schutzausrüstung und festen Regeln. Wenn euer Gegner sich aus dem Kampf wegdreht, heißt das „Stop!“, nicht „Okay, jetzt wemms mir mal so richtig auf den Hinterkopf!“

Und wenn er dann zu Boden geht und nicht mehr bei Sinnen ist, dann schleift ihn nicht ins Zelt, dann ruft einen Krankenwagen. Er könnte eine Gehirnerschütterung haben.

…da nur so als Anmerkung am Rande… 😉